Samstag, 30. Januar 2010

KINO - SHERLOCK HOLMES




wj Aurich. London, Baker Street 221b – hier wohnte um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts einer der berühmtesten Figuren der Kriminalliteratur. Obwohl seine Adresse wie auch er selber reine Fiktion waren, haben die meisten trotzdem eine relativ klare Vorstellung davon, wie Sherlock Holmes ausgesehen haben muss. Immerhin ist der vom britischen Autor Arthur Conan Doyle geschaffene Meisterdetektiv unzählige Male verfilmt worden. Auch Regisseur Guy Ritchie hat dies getan, dabei jedoch das gewohnte Bild vom feinen Gentleman mit Deerstalker-Hut und Lupe radikal über Bord geworfen.

Die Geschichte spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Bauarbeiten an der Tower Bridge gerade in vollem Gange sind. Doch die Einwohner von London beschäftigt noch etwas anderes. Die Stadt wird nämlich von einer Mordserie erschüttert. Fünf junge Frauen sind bereits getötet worden, da gelingt es Sherlock Homes (Robert Downey Jr.) und seinem Partner Dr. Watson (Jude Law) endlich, den Übeltäter auf frischer Tat zu stellen und in letzter Sekunden einen sechsten Mord zu vereiteln. Der der schwarzen Magie zugetane Lord Blackwood (Mark Strong) nimmt seine Verhaftung allerdings ungewöhnlich gelassen hin. Kurz vor seiner Hinrichtung bittet er Sherlock Holmes zu einer Unterredung ins Gefängnis und prophezeit ihm, dass bald drei weitere Morde geschehen werden. Den Lord selbst ereilt kurz darauf der Tod durch den Strang. Dass er auch wirklich mausetot ist, wird der Polizei von Dr. Watson höchst persönlich bescheinigt. Wenige Tage später passiert dann das schier Unglaubliche: Jemand will Lord Blackwood gesehen haben. Tatsächlich ist die dicke Steinplatte zu seinem Grab zerbrochen, und im Sarg liegt ein Fremder. Sollte Lord Blackwood etwa von den Toten wieder auferstanden sein?

Zugegeben, stellenweise tendiert Guy Ritchies Verfilmung schon stark in Richtung James Bond. Abgesehen von etlichen spektakulären Explosions- und Action-Szenen betrifft dies auch und vor allem den Protagonisten. Der von Robert Downey Jr. mit lässiger Arroganz durchaus überzeugend interpretierte Sherlock Holmes ist sich für keine Prügelei zu schade, und er übertritt gerne mal die Gesetze, sofern er das für erforderlich hält. Wenngleich dies nicht unbedingt „very gentlemanlike“ klingt, bewegt es sich dennoch gar nicht so weit von der literarischen Originalvorlage weg. Sherlock Holmes als feiner Herr aus gehobener Gesellschaft – dieses Bild war und ist weniger durch seinen Schöpfer geprägt worden, sondern vielmehr seinen Illustratoren und den zahlreichen Verfilmungen zu verdanken. Den charakteristischen Deerstalker-Hut hat Arthur Conan Doyle z.B. nur in einer einzigen Geschichte erwähnt und dort auch bloß am Rande. Der Autor konzipierte seinen Helden eher als einen Individualisten, der sich im Übrigen mit Selbstverteidigungstechniken bestens auskannte. Zudem – hier kann der Film ebenfalls direkt auf Doyle Bezug nehmen – war der Meisterdetektiv kein Meister in Sachen Körperhygiene. Der mit Abstand wichtigste Aspekt bei Sherlock Holmes ist ohnehin von je her sein messerscharfer analytischer Verstand gewesen. Und der kommt bei Guy Ritchie keineswegs zu kurz. Im Gegenteil, in seinen Grundzügen bleibt der Film aller Action zum Trotz ein spannender Krimi, in dem am Ende die Logik sämtliche Mysterien entlarvt und schließlich besiegt.
(Ostfriesische Nachrichten vom 30. Januar 2010. Trailer: Warner)

Montag, 25. Januar 2010

URAUFFÜHRUNG Meta-Musical

Vielleicht wäre sogar noch mehr drin gewesen
wj Wilhelmshaven. Sie war eine in jeder Hinsicht starke Frau. Nicht von ungefähr ehrt die Landesbühne Nord die 1994 verstorbene legendäre ostfriesische Wirtin Meta Rogall derzeit mit einem  Musical.  „Meta, Norddeich – Das Rockmusical des Nordens“, das am kommenden Dienstag und Mittwoch, 26. und 27. August, jeweils ab 20 Uhr auch in der Auricher Stadthalle gezeigt wird, erlebte am Sonnabend seine Uraufführung im Stadttheater Wilhelmshaven. Sehenswert ist das Stück vor allem dank der großartigen Leistung der Hauptdarstellerin Angelika Bartsch.

(Vollständiger Bericht in den Ostfriesischen Nachrichten vom 25. Januar 2010)

Samstag, 23. Januar 2010

KINO - VORSTADTKROKODILE 2



wj Aurich. Einen TV-Klassiker auf der Kinoleinwand zu neuem Leben zu erwecken, das haben sie schon einmal ziemlich gut hingekriegt. Nach der Neuverfilmung der „Vorstadtkrokodile“ (2009) basierend auf dem gleichnamigen Roman von Max von der Grün legt das Team um Regisseur Christian Ditter bereits wenige Monate später schon eine Fortsetzung vor.

Bevor die Ruhrpott-Rasselbande um Kai (Fabian Helbig), Maria (Leonie Tepe) und Hannes (Nick Romeo Reimann) wieder auf Ganovenjagd gehen kann, muss erst einmal ein neues Hauptquartier her. In einem still gelegten Bergwerk werden sie tatsächlich fündig. Sogar Strom und Licht sind dort noch vorhanden, weswegen sie sich innerhalb kürzester Zeit entsprechend einrichten und niederlassen können. Die idyllische Stimmung wird allerdings bald empfindlich getrübt, als die Eltern von Olli (Manuel Steitz) und Maria ihren Job verlieren. Weil an der Firma beinahe sämtliche Arbeitsplätze des Stadtviertels hängen und ihr zudem die Mietwohnungen ihrer Beschäftigten gehören, wird die Familie, wie tausende andere auch, auf der Suche nach einem neuen Job wohl oder übel ausziehen und die Stadt verlassen müssen. Ohne Olli und Maria wollen und können die anderen Vorstadtkrokodile aber nicht weiter machen. Deswegen überlegen sie fieberhaft, wie sie den beiden und ihren Eltern helfen können. Zufällig finden sie heraus, dass bei der Schließung der Fabrik nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Die Steueranlagen der Maschinen sind offensichtlich bewusst manipuliert worden. Als Übeltäter kristallisieren sich schnell zwei halbstarke Burschen heraus. Die Vorstadtkrokodile heften sich an ihre Fersen. Und ehe sie sich versehen, befinden sie sich schon wieder mitten in einem neuen Abenteuer.....

Der Faustregel, dass man ein Gewinner-Team niemals auswechseln soll, ist Regisseur Christian Ditter im zweiten Teil prinzipiell treu geblieben. Der einzige neue Charakter, den er auf Seiten der Vorstadtkrokodile einführt, ist die von Ella Maria Gollmer grandios verkörperte Figur der Jenny, die eigentlich auf den Rollstuhlfahrer Hannes aufpassen soll. Zunächst erscheint sie als frühreifer Paris-Hilton-Verschnitt, hält dann aber doch ein paar nette Überraschungen parat, so dass sie sich letztlich nahtlos in die Bande einfügt. Der Rest der jugendlichen Darsteller bietet eine ähnlich starke und souveräne Leistung wie bereits im ersten Teil. Die Nebenrollen inklusive der Bösewichte sind ebenfalls ausnahmslos hervorragend besetzt. Da sich Drehbuch, Regie, Kameraführung und Schnitt auf einem ähnlich hohen Niveau bewegen, bekommen die Kinozuschauer eine spannend inszenierte Geschichte mit viel augenzwinkerndem Humor und einem kleinen Schuss Romantik serviert. Denn während Hannes und Maria erste zarte Liebesbande knüpfen, fahren alle anderen Jungens wie wild auf Jenny ab. Allein in dieser Konstellation steckt noch einiges an Potenzial für weitere Fortsetzungen. Wenn die so gut werden wie dieser zweite Teil, wäre auch überhaupt nichts dagegen einzuwenden.
(Ostfriesische Nachrichten vom 23. Januar 2010. Trailer: Constantin Film)

Samstag, 16. Januar 2010

KINO - OLD DOGS - DADDY OR DEAL



wj Aurich. Wenn zwei Top-Stars wie John Travolta und Robin Williams an einer Komödie mitwirken, sollte man eigentlich denken, dass sich daraus ein guter „Deal“, sprich: ein sicheres Geschäft entwickelt. Old Dogs – Daddy or Deal“ von Regisseur Walt Becker kommt allerdings eher peinlich als lustig rüber.

Ausgangspunkt der Geschichte sind die seit ihren Kindheit eng befreundeten Kumpels Dan (Williams) und Charlie (Travolta). Beide verstehen sich so gut, dass sie auch beruflich gemeinsame Sache machen und eine Sport-Marketing-Agentur betreiben. Das Geschäft floriert prächtig, und alles scheint prima zu laufen, bis eines Tages Vicki (Kelly Preston) auf der Bildfläche erscheint. Die offenbart Dan, dass er der Vater ihrer sieben Jahre alten Zwillinge Emily (Ella Bleu Travolta) und Zach (Conner Rayburn) ist. Und das ist nicht die einzige Überraschung, die sie parat hält. Dummerweise hat Vicky als überzeugte Umweltaktivistin etwas über die Stränge geschlagen und muss infolge dessen für zwei Wochen ins Gefängnis. Dan, der zwischenzeitlich die Kinder betreuen soll, sieht sich komplett überfordert. In seiner Not wendet er sich an seinen Kumpel Charlie. Nach anfänglichen Schwierigkeiten raufen sich Jung und Alt tatsächlich zusammen und finden einen Draht zueinander. Als Vicky aus der Haft entlassen wird, scheint sogar das traute Familienglück greifbar nahe zu sein. Da plötzlich bekommt die Agentur die Chance, einen lukrativen Millionen-Deal abzuschließen. Der einzige Haken an der Sache: Dan müsste für mindestens sechs Monate nach Tokio. Damit steht er vor der schwierigen Frage, ob er sich für die Karriere oder doch lieber für Kinder und Familie entscheiden soll... Der mit Abstand witzigste Aspekt dieser ansonsten von vorne bis hinten total missratenen Komödie ist der Titel.

Letztlich kann sich jeder leicht ausrechnen, für welche Option „Daddy“ Dan am Ende votieren wird. Während Regisseur Walt Becker das unweigerliche Happy End beinahe unerträglich rührselig und sentimental inszeniert hat, pflastert er den Weg dorthin mit infantilen Gags, die an Peinlichkeit kaum zu überbieten sind. Selbst Treffer in die Weichteile tun beim Hingucken mehr weh, als dass man darüber lachen könnte. Ohnehin ist es eine Schande, mit ansehen zu müssen, wie sich zwei ausgewiesen hochkarätige Schauspieler wie Robin Williams und John Travolta dauernd buchstäblich zum Affen machen müssen.

Kelly Preston und ihre Tochter Ella Bleu Travolta vermögen darstellerisch ebenfalls nicht sonderlich zu glänzen. Aber das müssen sie wahrscheinlich sowieso nicht. Immerhin wurden ihnen ihre Rollen von ihrem Ehegatten respektive Vater John Travolta vermittelt. Zumindest dieser „Daddy“ weiß inzwischen ziemlich genau, welche „Deals“ wirklich wichtig sind im Leben und wie sie eingefädelt werden.
(Ostfriesische Nachrichten, 16. Januar 2010, Trailer: Disney )

Samstag, 9. Januar 2010

KINO - HABEN SIE DAS VON DEN MORGANS GEHÖRT?




wj Aurich. Nur wenige Schauspieler beherrschen den reumütigen Dackelblick dermaßen perfekt und genial wie er. Spätestens seit seinen Erfolgen mit „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ (1993) oder „Notting Hill“ (1999) gilt Hugh Grant deswegen als die Allzweckwaffe schlechthin für die männliche Besetzung in einschlägigen Romantikkomödien. Auch sein aktueller Film „Haben sie das von den Morgans“ gehört?“ fällt wieder in dieses Genre. Darin bekommt es der Brite dieses Mal mit „Sex and the City“-Protagonistin Sarah Jessica Parker zu tun.

Grant und Parker spielen in dem Streifen das angesehene New Yorker High-Society-Pärchen Meryl und Paul Morgan. Deren Ehe gilt als absolut vorbildlich. Jedenfalls nach außen hin. Jedoch hat ihre vermeintlich perfekte Beziehung ein paar kleine Schönheitsfehler: Tatsächlich kriselt es schon seit geraumer Zeit ganz gewaltig, so dass zwischen den beiden regelmäßig mächtig die Fetzen fliegen. Ob die einstige große Liebe überhaupt noch zu retten ist, gerät allerdings bald zur Nebensache. Denn das Paar wird zufällig Zeuge eines Mordes und gerät damit selber ins Visier eines Auftragskillers. Das FBI nimmt Meryl und Paul daraufhin in ein Zeugenschutzprogramm auf. Ehe sie sich versehen, finden sich die zwei „hippen“ New Yorker Großstadtmenschen mitten auf dem Land im tiefsten Wyoming wieder. In einem Kaff in den Rocky Mountains droht die ohnehin angeschlagene Beziehung der Morgans nun endgültig den Bach runterzugehen. Zunächst spricht nämlich nichts dafür, dass den beiden ausgerechnet in der „Blackberry“- und „I-Phone“-freien Umgebung gelingen sollte, ihre alte Leidenschaft füreinander neu zu entfachen.

„Haben sie das von den Morgans“ bietet kaum nennenswerte Überraschungsmomente. Während Hugh Grant, wie gehabt, den leicht trotteligen, im Kern aber trotzdem stets smarten Sunnyboy gibt, mimt Sarah Jessica Parker einmal mehr die verwöhnte Zicke aus Manhattan, die eigentlich an allem und jedem etwas auszusetzen hat. Spritzige Dialoge und freche Retourkutschen, wie man sie aus „Sex and the City“ kennt und schätzt, sind in diesem Film indes absolute Mangelware. Parkers ständige Nörgeleien nutzen sich darum ebenso schnell ab wie Grants obligatorischer Dackelblick. Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden Hauptdarsteller die meiste Zeit über viel zu sehr mit sich selber beschäftigt zu sein scheinen, um auf schauspielerischer Ebene einen Draht zueinander finden zu können. Da prallen offensichtlich zwei Egos aufeinander, die einfach nicht miteinander harmonieren. Der früh vorhersehbare Verlauf der Geschichte mit teilweise recht holprig inszenierten Gags wirkt aus diesem Grund nicht im mindesten glaubwürdig.

Insofern kann und darf man die Frage: „Haben Sie das von den Morgans gehört?“ guten Gewissens mit einem klaren „Nein!“ beantworten. Und gesehen haben muss man diese schlaffe Romantikkomödie erst recht nicht.

(Ostfriesische Nachrichten, 09. Januar 2010, Trailer: Sony)