Donnerstag, 28. April 2011

KINO - FAST & FURIOUS FIVE

wj Aurich. „Und vor allem lassen wir sie nie, niemals in ihre Autos steigen“, versucht einer der Verfolger noch seine Mitstreiter zu warnen. Doch vergeblich. Denn auch in ihrem nunmehr fünften Kinoabenteuer darf die „Fast & Furious“-Bleifuß-Gang um Dominic Toretto (Vin Diesel) natürlich wieder ordentlich Stoff geben. Und ein ums andere Mal bleibt den zahllosen Jägern, wie gehabt, meistens das Nachsehen.
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Ebenso rasanter wie munterer Kinospaß
(Kinostart: 28. April 2011. Trailer: Universal) 
Kino-Finder: Wo läuft dieser Film?

Samstag, 23. April 2011

Biografie Mike Wells

Von schrägen Vögeln und durchgeknallten Typen
 
Foto oben (Privatarchiv): Die „Twilights“ Anno 1965 bestehend aus (von links): Nick Saunders, Bob Gray, Alan Jarman und Mike Wells werden von der legendären Norddeicher Wirtin Meta Rogall begutachtet. Foto unten: Bis auf den heutigen Tag sind Mike Wells (rechts) und Bob Gray freundschaftlich verbunden geblieben.
wj London/Wilhelmshaven/Oldenburg/Norddeich. Als in den 60er Jahren die Beat-Welle von England nach Deutschland rüber schwappte, war er „live“ dabei und gab buchstäblich den Takt an. Mike Wells ist Schlagzeuger und tingelte als solcher einst durch die Clubs in Wilhelmshaven („Big Ben“), Oldenburg („Löwenbräu“), Ostfriesland („Haus Waterkant“/„Meta“) und Bremen („Studio 200“). Seine Erlebnisse aus dieser wilden Zeit hat der britische Musiker in einer äußerst kurzweiligen Autobiografie zusammen gefasst. Sie trägt den Titel „Mike Wells – a 60's Drummer“. Die deutsche Ausgabe ist im Oldenburger Isensee Verlag erschienen.



Vor die Wahl gestellt, ob er einer geregelten Arbeit als Verkäufer nachgehen oder lieber Profi-Musiker werden soll, fällt dem jungen Mike Wells Ende der 50er Jahre die Entscheidung nicht schwer. Die Londoner Club-Szene pulsiert. Ständig werden neue Bands und Musiker gebraucht. Wer gut ist, verdient hier innerhalb einer Woche locker das zwei bis dreifache von dem, was ein schnöder Alltagsjob wie der eines Verkäufers einbringt. Mike Wells, der als eines seiner Vorbild den kürzlich verstorbene Joe Morello („Dave Brubeck Quartett“) nennt, erwirbt sich schnell einen respektablen Ruf. Bald kreuzen sich seine Wege mit aufstrebenden, jedoch damals noch weitgehend unbekannten Talenten wie den „Rolling Stones“, Rod Stewart oder Richie Blackmore („Deep Purple“), mit denen er in London zum Teil auch regelmäßig musiziert. Als Wells sich 1963 ein neues Schlagzeug zulegt und Unterstützung beim Transport braucht, hilft ihm ein rund anderthalb Jahre jüngeren Kollege, der ihn darüber hinaus bei seinem anschließenden Live-Auftritt begeistert beobachtet. Binnen weniger Jahre wird dieser Kollege selber massive Begeisterungsstürme auslösen. Denn es ist Keith Moon, der spätere Kult-Schlagzeuger der Gruppe „The Who“.

Mike Wells ist ebenfalls festes Mitglied in einer eigenen Band. Zusammen mit Bob Gray, Nick Saunders und Alan Jarman bildet er „The Twilights“. Bekannt wird dieses Quartett vor allem als Begleitformation des Sängers Cliff Adams. Man geht sogar ins Aufnahmestudio und spielt eine vielversprechende Version des Soul-Songs „Do you love me“ ein. Nur kriegt die Plattenfirma aus irgendwelchen Gründen keine Single-Veröffentlichung hin. Nachdem die „Tremeloes“ mit ihrer Fassung von „Do you love me“ einen Nummer-1-Hit landen, hat sich die Sache eh erledigt. Cliff Adams wechselt daraufhin die Fronten. Er heuert bei „Beatles“-Impresario Brian Epstein an und wird dann Manager von „Fleetwood Mac“. Unterdessen kann Mike Wells seine rhythmischen Fertigkeiten im Rahmen einer Aufnahme-Session zu „My Boy Lollipop“ eindrucksvoll unter Beweis stellen. Die Nummer avanciert tatsächlich zu einem weltweiten Hit. Doch während andere das große Geld scheffeln, wird der Mann am Schlagzeug mit einem vergleichsweise kargen Hungerlohn von sieben Pfund und zehn Schilling abgespeist. Frustriert beschließt Mike, seine Karriere als Studiomusiker an den Nagel zu hängen, um sich fortan auf Live-Konzerte zu konzentrieren.

Allerdings gestaltet sich das mittlerweile auch nicht mehr so leicht. Der Beat-Boom bringt Tag für Tag frische, hungrige Bands hervor. Bedingt durch den steigenden Konkurrenzdrucks sinken die Gagen, und die Engagements werden stetig kürzer. Für britische Bands ist die deutsche Club-Szene daher eine willkommenen Alternative. Hier haben sie höhere Chancen auf längerfristige Verträge und werden dafür oft besser bezahlt als in ihrer Heimat. Deswegen brauchen die „Twilights“ nicht lange zu überlegen, als sie das Angebot erhalten, im Wilhelmshavener „Big Ben“ aufzutreten. Mike, Bob, Alan und Nick machen sich mitsamt ihren Instrumenten in einem „Ford Thames“ Lieferwagenwagen auf den Weg nach Deutschland. Das erste Hindernis erwartet sie bereits kurz nach Verlassen der Fähre in Holland. Die Grenzbeamten verlangen einen schriftlichen Nachweis für den Auftritt in Deutschland. Weil das Quartett den nicht hat, muss es die Nacht in einer Gefängniszelle verbringen. Zum Glück kann die Situation am nächsten Tag nach einigen Telefonate hinreichend geklärt werden. Auf den letzten Drücker erreichen die „Twilights“ am 1. Dezember 1964 Wilhelmshaven und feiern am selben Abend ihre Deutschland-Premiere.

Das Programm besteht hauptsächlich aus nachgespielten Cover-Versionen damals angesagter Rock'n'Roll-, Beat-, und Instrumental-Nummern von Chuck Berry, den „Beatles“, „Rolling Stones“, „Shadows“ und dergleichen. Im Gegensatz zu deutschen Gruppen, die sich inzwischen ebenfalls verstärkt an solchem Repertoire versuchen, denen aber oft allein die englische Aussprache gehörige Probleme bereitet, klingen die Briten wesentlich authentischer. Zudem sind sie den meisten deutschen Musikern technisch meilenweit überlegen. So gesehen verwundert es nicht, dass die „Twilights“ von Beginn an exzellent beim Wilhelmshavener Publikum ankommen und ihr Vertrag im „Big Ben“ prompt um einen Monat verlängert wird. Indes geschieht letzteres nicht ganz freiwillig. Eigentlich hätten die „Twilights“ über Silvester einen Auftritt in England bestreiten sollen. Das schaffen sie nicht, weil der Motor ihres Lieferwagens streikt und nicht rechtzeitig repariert werden kann. Wie sich herausstellt, hat jemand in den Tank gepinkelt und Zucker hineingeschüttet. Ob der Übeltäter ein Neider gewesen ist oder vielleicht der Club-Besitzer, der den Weggang der Band in seinem Sinne ein bisschen hinauszögern möchte, das überlässt Mike Wells den Spekulationen des Lesers. Jedenfalls sitzen die „Twilights“ nun erst recht in Deutschland fest. Da sie in Wilhelmshaven keine dauerhafte Perspektive sehen, nehmen sie für den März 1965 ein Engagement im Oldenburger „Löwenbräu“ an. Das ist lediglich von kurzer Dauer und Mike Wells ohnehin nicht in sonderlich guter Erinnerung. Er handelt sich einen kapitalen Tripper ein und wird obendrein vom behandelnden Arzt dazu genötigt, laut aus erotische Briefen vorzulesen. Wenigstens erspart ihm das die Bezahlung der Arztrechnung.

Noch im März 1965 geht es für die „Twilights“ ins „Haus Waterkant“ nach Norddeich. Zunächst scheint der direkt an der ostfriesischen Nordseeküste gelegene Laden ein totaler Fehlgriff zu sein. Wie und warum sich jemand in diese Einöde verirren sollte, um eine englische Band zu sehen, dafür fehlt Mike und seine Jungens anfänglich jegliche Vorstellungskraft. Schon am ersten Abend werden ihre Bedenken restlos zerstreut. Die Bude ist dermaßen rappelvoll, dass etliche Gäste draußen vor der Tür bleiben und trotzdem hellauf begeistert sind. Auch „Waterkant“-Chefin Meta Rogall weiß die Qualitäten der „Twilights“ wohl zu schätzen und holt sie im Verlaufe des Jahres 1965 mehrfach nach Ostfriesland zurück. Norddeich wird für die Briten zu einer zweiten Heimat. Das Quartett genießt die heimelig-familiäre und gleichzeitig überraschend aufgeschlossene Atmosphäre. Die vermeintlichen Provinzler sind hinsichtlich aktueller Trends erstaunlich gut auf dem Laufenden. Das kommt nicht von ungefähr. Piratensender wie „Radio Caroline“ oder „Radio London“, wo praktisch rund um die Uhr die neuesten „heißen Scheiben“ rotieren, sind an der ostfriesischen Nordseeküste prima zu empfangen. Manchen Hit kennen die „Twilights“ bereits in- und auswendig, lange bevor er als Platte auf dem deutschen Markt erschienen ist. Vieles davon bauen sie so geschickt in ihr Repertoire ein, dass nach außen hin bisweilen der Eindruck entsteht, einige der Cover-Versionen wären in Wirklichkeit Eingenkompositionen der „Twilights“.

Damals wie heute gehört Klappern gerade in der Unterhaltungsbranche eben zum Handwerk. In Wiesbaden werden die „Twilights“ auf dem Plakat kurzerhand als „Spitzenband aus Liverpool“ angekündigt. Von dort kommen ja unter anderem auch die „Beatles“ her. Wen interessiert da noch, dass London die Hauptstadt von England ist? Während solche Ausfälle noch zu denen der eher harmloseren Kategorie zählen, haben andere mindestens das Prädikat „total durchgeknallt“ verdient. Beispielsweise meint ein Club-Besitzer, seine Musiker grundsätzlich mit Gaspistolen bewaffnen zu müssen, um im Falle einer Schlägerei zu verhindern, dass sie ihre Hände verletzen und womöglich arbeitsunfähig werden. Gleichermaßen haarsträubend klingt die Begründung eines Messerwerfers, dessen Show Mike Wells zwischenzeitlich am Schlagzeug begleitet, auf die Frage, ob sein Alkoholproblem für seine Partnerin an der Zielscheibe nicht gefährlich werden könnte. „Im Gegenteil“, antwortet der. „Sie wäre schon tot, wenn ich nicht trinken würde.“

Solche und ähnliche schrägen Vögel vor und hinter den Kulissen tauchen in dem Buch von Mike Wells immer wieder auf. Sich selber zählt der Brite ausdrücklich dazu. Denn er ist ebenfalls „kein Kind von Traurigkeit“, wie er an einer Stelle ehrlich zugibt. Folgerichtig spart er auch eine Reihe intimer Begegnungen mit Frauen nicht aus und schildert sie in gebührender Ausführlichkeit und mit pikanter Detailtreue. Nichtsdestotrotz bewegen sich diese Sex-Passagen völlig im Rahmen des Erträglichen, zumal sie, wie überhaupt die Mehrzahl der Anekdoten in dem Buch, häufig mit einer liebevollen Prise (Selbst-)Ironie anklingen.

1966, nachdem sich die „Twilights“ aufgelöst haben, gesellen sich Mike Wells und Bob Gray zu einer deutsch-englischen Formation namens „Class 4“. Deren Findungsphase und erste Proben gehen im Norddeicher „Haus Waterkant“ über die Bühne. Bald darauf erhalten sie ein Engagement im Bremer „Studio 200“ auf. Wie der Zufall es will, spielt der Sohn des Club-Besitzers in einer eigenen Band. Die nenne sich „Die Germans“ und fragen Mike, ob er bei ihnen als Schlagzeuger mitmachen möchte. Der willigt ein und kehrt „Class 4“ den Rücken. Bereits im Juli 1966 prangt das Konterfei des Briten auf der Autogrammkarte der „Germans“. Diese Autogrammkarte ist in dem Buch ebenso abgebildet wie eine Reihe weiterer historischer Schwarz-Weiß-Fotos, die den nostalgischen Charakter des Buches wirkungsvoll unterstreichen und insgesamt perfekt abrunden. Was nach seinem Einstieg bei den „Germans“ passiert, lässt Mike Wells offen. Allerdings deutet die Anmerkung „Fortsetzung folgt“ darauf hin, dass er noch jede Menge Geschichten und Anekdoten auf Lager hat, die er einer interessierten Leserschaft sicher nicht vorenthalten möchte.


Donnerstag, 21. April 2011

Chris Barber live in Aurich

Altmeister zählt längst noch nicht zum alten Eisen
wj Aurich. Kaum zu glauben, dass dieser Mann vor wenigen Tagen 81 Jahre alt geworden ist. Aber das scheint Chris Barber nicht im Mindesten etwas auszumachen. Am vergangenen Mittwoch bot der britische Posaunist und Band-Leader knapp 400 Zuschauern in der Auricher Stadthalle wieder einmal einen ebenso kurzweiligen wie hochkarätigen Jazz-Abend der Extraklasse.
(vollständiger Bericht im Auricher Sonntagsblatt vom 24. April 2011)

Dienstag, 19. April 2011

KINO - BRIGHTON ROCK

wj Aurich. Bereits 1947 schaffte Graham Greenes Thriller „Brighton Rock“ schon einmal den Sprung auf die Kinoleindwand. Den Anti-Helden und aufstrebenden Kleinganoven Pinkie Brown verkörperte damals Richard Attenborough. Für seine Neuverfilmung des Romans verlegt Regisseur und Drehbuchautor Rowan Joffee das Geschehen in die 60er Jahre und bezieht die  mittlerweile legendären Auseinandersetzungen zwischen Mods und Rockern im britischen Ferienressort Brighton in die Handlung mit ein. Die Rolle des Pinkie Brown wird dieses Mal gespielt von Sam Riley ("Control" ), dem Ehemann der deutschen Schauspielerin Alexandra Maria Lara.

Literarischer Klassiker bildgewaltig inszeniert
(Kinostart: 21. April 2011. Trailer: Kinowelt)

Freitag, 15. April 2011

Autobiografie von BUD SPENCER

Kurzweiliger Rückblick auf ein bewegtes Leben
wj Bremen. Carlo Pedersoli hat eine Autobiographie geschrieben. Wem das nichts sagt, wird beim Künstlernamen dieses Mannes vermutlich doch aufhorchen. Signore Pedersoli ist nämlich besser bekannt unter dem Pseudonym Bud Spencer. Als solcher war er vor allem in den 70er und 80er Jahren einer der schlagfertigen Protagonisten in Haudrauf-Kassenknüllern wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“ oder „Sie nannten ihn Mücke“.


Hinter dem schlichten Titel „Bud Spencer: Mein Leben, meine Filme“ verbirgt sich allerdings weitaus mehr als nur ein Rückblick auf die Filme des Italieners. In jungen Jahren war der heute 81-jährige ein Weltklasse-Schwimmer, der mehrere Landestitel und –rekorde holte und zweimal an den Olympischen Spielen teilnahm. Außerdem arbeitete er drei Jahre lang in Südamerika im Straßenbau, absolvierte mit Bestnoten ein Studium der Rechtswissenschaften und ist als passionierter Tüftler Inhaber diverser Patente. 

Seine erste Statistenrolle im Film bekam Pedersoli in Mervin LeRoys Monumentalwerk „Quo Vadis“ (1951), wo er einen Prätorianer in Neros Garde spielt. Ende der 60er Jahre wurde er dann vom Regisseur Guiseppe Colizzi für einen Italo-Western gecastet und nannte sich fortan Bud Spencer. Pedersoli wählte diesen Künstlernamen nach eigenem Bekunden hauptsächlich deshalb, weil er zu der Zeit gerne Budweiser Bier trank und den Schauspieler Spencer Tracy verehrte. Solche und ähnliche Anekdoten begegnen einem in der Autobiografie des Itailieners praktisch auf Schritt und Tritt. Neben diesen oft (selbst)ironischen Betrachtungen offenbart der Autor aber ebenso einge Überraschungen. Wer hätte beispielsweise geahnt, dass die frühen Western des Dampfhammer-Dreamteams Bud Spencer und Terence Hill ursprünglich keineswegs als lustige Parodien angelegt waren, sondern einen eher ernsten Hintergrund hatten und etliche brutale Szenen enthielten, die aus Gründen des Jugendschutzes später sicherheitshalber herausgeschnitten wurden?

Bud Spencer: Mein Leben, meine Filme“ ist im Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen. Carlo Pedersoli war Mitte April 2011 mit seinem Buch auf Promotion-Tour in Deutschland unterwegs. Das Foto oben entstand während einer Signierstunde in der Thalia-Buchhandlung in Bremen. Zu meinen persönlichen Eindrücken von dieser Signierstunde hatte ich nachträglich noch einen Live-Podcall mit den Moderatoren Ike Pauli und Roland Kanwicher von  „Vier beginnt", der beliebten Morgen-Show auf Radio Bremen 4.
(Live-Podcall bei Radio Bremen vom 18. April 2011 hier zum Nachhören)
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Donnerstag, 14. April 2011

KINO - PAUL - EIN ALIEN AUF DER FLUCHT

wj Aurich. Das britische Erfolgs-Duo Simon Pegg und Nick Frost hat wieder zugeschlagen: Nach Zombie-Horror („Shaun of the Dead“ 2004) und Cop-Action („Hot Fuzz“ 2007) ziehen sie in ihrem aktuellen Streifen nun ein weiteres ur-amerikanisches Filmgenre genüsslich durch den Kakao. In der Science-Fiction-Komödie „Paul – Ein Alien auf der Flucht“ spielen die beiden zwei Comic-Nerds, die einem recht eigenwilligen Außerirdischen zur Seite stehen müssen. 

Hier würde sich wohl selbst E.T. kaputtlachen
(Filmstart: 14. April 2011. Trailer: Universal)
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Mittwoch, 6. April 2011

INTERVIEW mit Martin Steer ("Frittenbude")

Auf keinen Fall zwanghaft dem Mainstream anpassen
 
Präsentiert mit freundlicher Unterstützung von   www.lake-events.com

wj Großefehn. Auf dem "Hurricane“-Festival in Scheeßel brachten sie das Zelt, in dem sie spielen sollten, beinahe zum Platzen. Beim "Omas Teich“-Festival wurde der Auftritt der niederbayerischen Elektropunk-Formation "Frittenbude“ deswegen vorsorglich gleich auf die Hauptbühne verlegt. Auch dieser Gig kam so gut an, dass die Fehntjer Veranstaltungsagentur "Lake Entertainment“ das Trio bestehend aus Johannes Rögner (Raps, Leadgesang), Martin Steer (Gitarren, Backgroundgesang) und Jakob Häglsperger (Synthesizer, Bass, Drum-Computer) zu einem Gastspiel am 15. April 2011 in „Decker's Disco“ in Ostgroßefehn eingeladen hat. Aus diesen Anlass stand Martin Steer in folgendem Interview Rede und Antwort.


Frage: Stimmt es, dass ein kaputtes Autoradio schuld an der Gründung Eurer Band war?
Martin Steer: Was den Ursprung von „Frittenbude“ betrifft, stimmt das tatsächlich. Wir saßen im Auto und waren auf dem Weg zu einem Festival. Zum Glück hatte Jakob eine CD dabei, wo „Beats“ von ihm drauf waren. Wir haben dann einfach spontan angefangen, dazu zu singen und zu rappen. Das war der Grundstein von „Frittenbude“.

Frage: Wie würdest Du Euren Stil beschreiben?
Martin: Unser Stil ist im Prinzip das Ergebnis unserer verschiedenen musikalischen Persönlichkeiten. Johannes macht seit ewigen Zeiten HipHop und Rap. Ich bin Gitarrist und in diversen Indie-Bands unterwegs gewesen. Jakob ist seit längerem Techno-Produzent. Wenn man das summiert, kommt „Frittenbude“ raus.

Frage: Noch vor einigen wenigen Jahren wären sich diese drei „Stil-Parteien“ spinnefeind gewesen. Scheint so, als hätte hier ein Umdenken eingesetzt.
Martin: Das hat sich inzwischen alles geöffnet. Mittlerweile wurde bereits jeder Stil mit jedem Stil irgendwie vermischt. Und das wird auch in Zukunft noch weiter gehen. Die Leute sind längst nicht mehr auf bestimmte Stile verkopft sondern wesentlich offener geworden.

Frage: Welche Rolle spielt in dem Zusammenhang das Internet?
Martin: Das spielt schon eine enorm wichtige Rolle. Ich weiß nicht, ob es uns so in der Form geben würde, wenn das Internet nicht gewesen wäre. Aber das ist ja bei den meisten Bands so. Damals, als wir angefangen haben, gab es noch Myspace. Ich meine, das gibt es zwar nach wie vor. Aber das ist ja inzwischen fast schon wieder tot.

Frage: Angefangen habt ihr mit Remixen. Ist das nicht etwas undankbar? Für gewöhnlich agiert man da doch eher aus dem Hintergrund.
Martin: Als wir zum „Audolith“-Label gekommen sind und die Anfrage erhielten, Dance-Remixes zu machen, hat uns das schon geholfen und weiter gebracht. Allein schon weil sich dadurch für uns jede Menge neue Kontakte aufgetan haben. Außerdem denke ich, dass wir uns doch ein bisschen von klassischen Remixen abheben. Das geht bei uns meistens mehr in Richtung Cover-Versionen. Die Texte werden oft komplett umgeschrieben, und auch aus den „Beats“ entsteht häufig was völlig Neues und Eigenständiges. Der Grundtrack dient da im Grunde genommen lediglich als Inspiration.

Frage: Wie kriegt Ihr es hin, dass das Konzept von „Frittenbude“ live auf der Bühne funktioniert?
Martin: Das ist im Prinzip heutzutage alles kein Problem mehr. Mit Computern, Drum-Machines und diversen Effekten lässt sich das ziemlich geil auf der Bühne umsetzen. Und wir machen ja nicht bloß so ein minimales Elektro-Geplänkel. Unsere „Beats“ hauen schon extrem rein. Dann kommen noch die Texte hinzu....

Frage: Ihr bezeichnet Euch inhaltlich nicht unbedingt als explizit politisch, bezieht aber zu vielen Themen sehr wohl klar Stellung.
Martin: Wir kommen aus einer der konservativsten Ecken Bayerns. Da hat es sich für uns fast reflexartig ergeben, gegen bestimmte Dinge zu rebellieren und für beziehungsweise gegen bestimmte Sachen Stellung zu beziehen. Das spiegelt sich natürlich auch in unserer Musik wider. Zugegeben, viele unserer Texte mögen oberflächlich betrachtet zunächst extrem hedonistisch klingen. Trotzdem schwingt da oft eine Menge Weltschmerz und Kritik mit. Das ist wieder so eine besondere Mischung, die auch bei den Leuten gut ankommt. Wenn die plötzlich merken, dass das keine reinen „Atzen“-Mitgröhlnummern sind, sondern auf einer weiteren Ebene noch eine positive „Message“ dahinter steckt.

Frage: Haben die Leute von der „Bravo“ schon mal bei Euch angeklopft?
Martin: Nein, die sind noch nicht an uns heran getreten. Und ich habe starke Zweifel, ob das jemals passieren wird. Wir wollen uns nämlich auf keinen Fall zwanghaft dem Mainstream anpassen. Natürlich ist es schön, wenn man heutzutage überhaupt noch ein paar Platten verkauft, und unser letztes Album war immerhin für eine Woche auf Platz 57 in den Charts. Aber da gibt es andere Dinge, die wesentlich wichtiger für uns sind.

Frage: Vielleicht abschließend noch ein paar Worte zu Eurem Live-Set....
Martin: Bei unserem neuen Live-Set haben wir noch ein paar mehr Songs von unserem aktuellen Album „Katzengold“ dazu gepackt, die wir live spielen werden. Ein paar schöne Remixe werden auch dabei sein. Insgesamt wird es ein bunter und frischer Mix, wo von allem und für alle was dabei sein sollte.

KINO - THE FIGHTER

wj Aurich. Eigentlich hatten die Experten ihn schon längst abgeschrieben, als er im stolzen Alter von 30 Jahren dann doch noch seinen ersten Weltmeistertitel holte. Der irisch-amerikanische Boxer Micky Ward hat sich eben nicht unterkriegen lassen. Seine wechselvolle Karriere lieferte die Vorlage für "The Fighter". Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung war der Streifen in insgesamt sieben Kategorien nominiert und wurde zwei Mal ausgezeichnet (Melissa Leo und Christian Bale als beste Nebendarsteller).

Endlich mal wieder ein richtig geiler Box-Film
(Kinostart: 07.April 2011. Trailer: Senator Film)
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